Die Theorie der TCM

Um die chinesische Medizin zu verstehen, ist es nötig, die kulturellen und philosophischen Zusammenhänge in China zu verstehen. Die TCM ist Ausdruck der beiden damaligen Philosophierichtungen Daoismus und Konfuzianismus. Beide Philosophien befassten sich mit dem Menschsein und den Gesetzmäßigkeiten zwischen Mensch und Natur. Aus den differenzierten Betrachtungen der Natur und der darin ersichtlichen großen Harmonie, entstand das Bestreben, den Menschen in größtmögliche Harmonie zu den Naturgesetzen zu bringen. So gab es z.B. Anweisungen zur Lebensführung und –pflege für ein glückliches, gesundes und langes Leben.

Das Yin-Yang-Prinzip

Die Grundlage der TCM ist die Yin-Yang-Lehre. Im Inneren Klassiker des gelben Kaisers heißt es:
„Yin und Yang und die 4 Jahreszeiten sind der Anfang und das Ende eines jeden Dinges; sie sind die Wurzel von Leben und Tod. Wer gegen das Prinzip von Yin und Yang lebt wird sein Leben zerstören, wer mit ihm lebt wird in Harmonie leben.“ (Neijing, Su Wen, Kap.2).
Die erste Erwähnung des Yin-Yang-Konzeptes findet man im Yi Jing, dem Buch der Wandlung 7. Jh. v. Chr. Ethymologisch bedeutet das Schriftzeichen Yin = Schattenseite des Berges und
Yang = die Sonnenseite des Berges.
Sie standen für die polaren Gegensätze wie Himmel-Erde, männlich-weilblich, Licht-Schatten, Sonne-Mond, Feuer-Wasser, Ebbe-Flut, Dynamik-Statik, usw. Diese Beispiele stehen nur stellvertretend für alle anderen Phänomene. Tatsächlich können alle Lebewesen, Objekte, Eigenschaften und Bewegungen in dieses System eingeteilt werden. Die einzige Voraussetzung ist, das Yin und Yang relativ zu einem zweiten Objekt, einen Zustand, eines Geschehnis oder einer Norm verstanden wird. Im Dao De Jing heißt es: “Nur wenn es ein Oben gibt, gibt es auch ein Unten“.

Eigenschaften von Yin und Yang:
- Yin - Yang
- rechts - links
- unten - oben
- dunkel - hell
- kalt - warm
- innen - außen
- Ruhe - Bewegung

Beispiel des Yin-Yang-Prinzips
Die Sonnenstrahlen stehen z.B. für das Prinzip Yang. Sie kommen vom Himmel also von oben, sind warm, tagsüber, hell, bedeuten Licht. Sie sind eine nicht fassbare, jedoch spürbare, subtile Energie.
Diese Energie wird in den Pflanzen mittels Chlorophyll in Zucker umgesetzt, der wiederum als Träger und Speicher von Energie für die Pflanze selbst, sowie auch für alle Pflanzenfresser und indirekt auch für alle anderen Lebewesen notwendig ist. Ohne Licht gäbe es also auch kein Leben wie wir es kennen.
Dieser Prozess benötigt aber auch ein materielles Gegenstück, nämlich Kohlendioxid und Wasser, die wiederum in den Pflanzenzellen für das Umsetzen des Lichtes in chemische Energie benötigt werden.
Das Wasser steht z.B. für das Prinzip Yin:
Es fließt immer nach unten, ist kühl und dunkel, und wenn seine Dichte weiter zunimmt, wird es zu festem Eis.
Auch ohne Wasser wäre das Leben nicht denkbar. Licht ohne Wasser, sowie Wasser ohne Licht kann nicht zu organischem Leben führen und sollte in ausgewogener Präsenz vorhanden sein.
Dennoch bleiben alle konkreten Beispiele immer relativ: Wasser, als Beispiel für das Yin-Prinzip, kann wiederum als Yang interpretiert werden, wenn es in Relation zu einer festen Masse (Eis) gesehen wird. Eis ist dichter, schwerer und kühler als Wasser, seine Moleküle bewegen sich langsamer. Dies sind alles Yin-Eigenschaften.
Es geht aber nicht darum, eine starre Definition für etwas festzulegen, sondern das Yin-Yang-Denkmodel dient in erster Line dazu Verhältnisse zu interpretieren.

Die Yin-Yang-Theorie symbolisiert das sich ständig verändernde Gleichgewicht von Yin und Yang sowohl in der Natur als auch im Menschen. Yin und Yang sind gegensätzliche Kräfte, die sich gegenseitig bedingen wie das Ein- und Ausatmen, Geben und Nehmen, Ruhe und Bewegung.
Ist eine Seite der Kräfte dominant, kommt es zum Ungleichgewicht im Zusammenspiel der beiden Kräfte. So entstehen Krankheiten. Gesundsein bedeutet, dass das Wechselspiel der Kräfte Yin und Yang im Gleichgewicht ist und so die Lebenskraft Qi hervorbringen.

Was ist Qi?

Das Schriftzeichen Qi kann übersetzt werden in: Atem, Hauch, Energie, Lebensenergie. Im Kontext der TCM spielt der Begriff Qi eine zentrale Rolle. Ein Leben ohne Qi gibt es nicht, Qi hält die verschiedenen Lebensprozesse und Organfunktionen aufrecht. Ist genügend Qi vorhanden, fühlen wir uns fit und leistungsfähig und der Körper kann Schad- und Schlackenstoffe ausleiten.
Fehlt Qi oder kann dieses nicht richtig fließen, fühlen wir uns müde und energielos und haben keine Kraft körperlich oder geistig zu arbeiten. Das Fehlen von Qi zeigt sich auch in Symptomen wie Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Frieren, Antriebslosigkeit, Depressionen und Ängsten.
Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Qi Gong, Taiji und ausreichender Schlaf stärken das Qi.

 

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