Chinesische Diagnose

In der chinesischen Medizin heißt es: „Ein guter Diagnostiker unterscheidet immer zuerst zwischen Yin und Yang“.
Jede Krankheit oder funktionelle Störung wird durch einen Verlust der Balance zwischen Yin und Yang verursacht. Dies ist der Ausgangspunkt aller weiteren Überlegungen.
Um ein exaktes Bild der Krankheit zu bekommen, umfasst die Diagnose ein ausführliches Gespräch (Anamnese), die Pulsdiagnose, die Zungendiagnose sowie eine körperliche Untersuchung. Je nach Beschwerdebild dauert die Diagnose 1-1 ½ Stunden.
Beispiel:
Bei der Inspektion des Gesichtes und der Haut deuten eine trockene Haut, trockenes Gesicht und trockene Lippen auf einen Yang-Zustand. Umgekehrt weist eine feuchte, gedunsene Haut bei blassem oder dunklem Teint auf einen Yin-Zustand hin.
Hinsichtlich der Atmung und der Sprache deuten eine laute Stimme, laute Atmung oder Keuchen auf Störungen im Zusammenhang mit Yang oder Hitze. Eine leise oder schwache Stimme, Kurz-atmigkeit oder erschwerte Atmung deuten dagegen auf eine Yin- oder Kälte-Störung.
Die körperliche Untersuchung zeigt z.B. eine Yin-Leere-Pathologie, wenn Druck oder Pressen als angenehm empfunden wird oder eine Besserung eintritt. Bei Verschlechterung durch Druck liegt dementsprechend eine Yang oder Fülle-Pathologie vor.
Auch die Pulse lassen sich in Yin und Yang einteilen: Ein typischer, auf eine Yang-Störung hindeutender Puls, ist z.B. beschleunigt oder rasend. Dagegen ist ein langsamer oder extrem tiefer Puls eine Yin-Störung.

Nach der Diagnose werden die therapeutischen Möglichkeiten und der Therapieplan festgelegt. Hierbei geht es - anders als bei der Schulmedizin - nicht darum, die Erkrankung als ein Endprodukt einer Ursachenkette zu sehen, sondern als einen Prozess, der zu beeinflussen ist.
Die Therapie umfasst folgende Methoden: Chinesische Heilkräuter, Akupunktur, Moxibustion, Ohr-Akupunktur, Schröpfen, Gua Sha, Tuina (chinesische Massage), Diätetik, Qigong, Taiji.
Der Patient hilft aktiv am Gesundungsprozess mit, z.B. durch Gymnastik und Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten.
Die Präzision der chinesischen Diagnostik macht beginnende Störungen der inneren Harmonie bereits im Vorfeld erkennbar, auch wenn der Patient noch keine Beschwerden verspürt. Deshalb eignet sich die TCM auch zur Prävention von Krankheiten.

 

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